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Die Wundertyten (11.​05.​2025)

Reise durch die Skurrilitäten des Alltags

Die „Wundertyten“ begeisterten das Publikum in der Kulturkirche Oberaula

Oberaula – Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber was ist, wenn der Humor nur noch mithilfe von ChatGPT gerettet werden kann? Und was passiert, wenn sich der KI-gesteuerte kleine rote Toaster, der 20 Sprachen spricht, mit den anderen Haushaltsgeräten gegen seinen Besitzer verbündet? Die „Wundertyten“ aus Kassel (Thomas Krug am Klavier, dazu Jens Haupt und Uwe Jakubczyk) spießten die Tücken des Alltags kabarettistisch-musikalisch auf und ließen dabei in der voll besetzten Kulturkirche Oberaula keine Pointe aus. „Ich red‘ mir ein, es geht mir gut!“ – unter diese Überschrift hatten die drei ihr Programm gestellt, in dem sowohl neumodische Selbstoptimierungstechniken wie Gedächtnis-Coachering oder die hessisch französische Baguette-Liste als auch der bürokratische Irrsinn bei der Beantragung des Jahresendheizkostenprämie (ein Holzscheit pro Person, die Ausgabe wird allerdings dadurch erschwert, dass es in der Poststelle des Finanzamtes einen Wasserschaden gibt).

 

Und natürlich ist das Kabarett-Trio auch darauf angewiesen, finanziell über die Runden zu kommen. Dieses Ziel erreichen sie als Pharmainfluencer, die immer wieder in Werbeblöcken sinnvolle Medikamente wie „Legmalos“ (gegen Antriebslosigkeit) und „Garnixisdrin“ vorstellen. Ob sie als ignorante Kreuzfahrttouristen interessiert beobachten, wie ein Mittourist ertrinkt, dabei die Gletscherschmelze bei exquisiter Verpflegung live miterleben (Motto „Was schert mich der Weltuntergang? Bis dahin bin ich eh tot.“) oder als carnivore „Wurst först“- Demonstranten den Slogan „Du findest keine Freunde mit Salat“ rufen und sich über Salami Masken gegen Augenringe oder Leberwurst als wirkungsvolle Frisiercreme austauschen – es blieb kaum ein relevantes Lebensthema ausgespart. 

 

Dabei ließen sie so skurrile Figuren auftauchen wie den Botaniker Professor Schnabelfang-Höhenpech, der das Publikum über so gefährliche Bestandteile der Fauna wie die Würgefeige informierte, den Mönch Bruder Luitbert Blau, der es mit Lebensratgebern wie „Wenn du meinst es geht nicht mehr, dann löffle das Nutella leer“ auf die Bestseller-Listen geschafft hat oder den Guru Heribert Swamigomisch Schluckebier, der das Publikum mithilfe einer Weckewerk-Zeremonie auf eine Reise ins eigene Innere mitnahm.

 

Und was es mit Gerede-Turnen und einem leckeren Menopausen-Brot auf sich hatte, ließ sich im Anschluss auf das mit anhaltendem Applaus quittierte Kabarett-Programm bei den von ehrenamtlichen Helferinnen vorbereiteten legendären Kulturkirchen-Käsehäppchen weiterdiskutieren. UTE JANSSEN

Urheberrecht:

Fotos: Hans-Heinrich Conradi



 

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